Philip
Glass
Besprechungen einzelner Werke von Philip Glass
Satyagraha
(komponiert 1979/80)
"Satyagraha" ist der zweite Teil der sogenannten "Portrait"-Trilogie von Philip Glass, die aus "Einstein on the Beach", "Satyagraha" und "Akhnaten" ("Echnaton") besteht.
War in "Einstein on the Beach" mit Albert Einstein ein Mann der Wissenschaft Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung, so ist es in "Satyagraha" mit Mohandas K. Gandhi ein Mensch, der im weitesten Sinne als Politiker bezeichnet werden kann. Jedenfalls wird in der Oper besonders dieser Aspekt von Gandhis Wirken betont, zumal sich die einzelnen Szenen, welche nicht chronologisch aufeinanderfolgende Ereignisse darstellen, auf Gandhis Zeit in Südafrika beziehen.
In der Musik begegnen wir hier einem ganz anderen Philip Glass. Der manchmal aggressive Sound von "Einstein on the Beach" ist einem viel weicheren, melodiöseren, ja gelegentlich geradezu spirituellem Klang gewichen. Mit entscheidend dafür ist auch die Wahl des Klangkörpers: Anstelle des Philip Glass Ensembles erklingt nun ein klassisches Symphonieorchester, und die Gesangsparts werden von ausgebildeten Opernsängern dargeboten, unterstützt durch einen Opernchor.
Der größte Teil der Musik ist sehr harmonisch mit starker Betonung von Melodiebögen. Natürlich bleibt das Mittel der Repetition bestehen, doch werden viel häufiger tonale Dreiklangsbrechungen verwendet. Ganz besonders häufig verwendet Glass die Addition und Subtraktion von Tönen, in dem er kleine Einheiten innerhalb einer größeren Einheit immer öfter wiederholen läßt und dann die Anzahl wieder verringert. Ein leichter Wandel im Glass'schen Schaffen hat sich vollzogen, der sich bereits in "Dance" andeutete. Es dominieren klare, weiche Klänge; Hektik oder Eile ist nur selten anzutreffen.
Die Sprache bleibt, wie bei "Einstein on the Beach", unverständlich. Blieb in "Einstein on the Beach" eher der Inhalt des Textes und sein Bezug zum Bühnengeschehen unklar, ist es in "Satyagraha" die Sprache: Philip Glass und seine Librettistin Constance DeJong wählten Teile der "Bhagavad-Gita" in klassischem Sanskrit, was sicherlich von den meisten der Zuhörer nicht verstanden wird.
Dennoch trägt auch die Sprache sehr zum eher sanften und spirituellen Gesamteindruck bei, was dem Gedankengut Gandhis sehr angemessen erscheint.
© Mathias Sträßer