Philip Glass

Besprechungen einzelner Werke von Philip Glass




Dance Nos.1-5

(komponiert 1978/79)

Das fünfteilige Werk (zum Teil basierend auf etwas älteren Stücken, u.a. aus dem Zyklus "Forth Series") markiert in gewissem Sinn den Übergang der stärker minimalistischen Phase zu einer Periode, in der die Musik mehr melodiösen und lyrischen Charakter bekam.
Nach dem ersten Höhepunkt mit "Music in Twelve Parts", einer Art "Kunst der Fuge" der minimal music (ein Ausdruck, den Philip Glass immer abgelehnt hat, der sich aber im Denken vieler Menschen durchgesetzt hat), folgte bald mit "Einstein on the Beach" eines der herausragendsten Werke in Glass' Schaffen.
Und auf dem Weg von "Einstein" zu "Satyagraha" entstand "Dance".

Drei Teile sind für das Philip Glass Ensemble geschrieben, zwei für Orgel solo. Die Ensemble-Stücke nehmen viele der Hauptcharakteristika von "Koyaanisqatsi" und "Glassworks" vorweg, beinhalten aber auch noch Merkmale von "Music in Twelve Parts": Die vielen Arpeggios und wohlklingenden Dreiklangsbrechungen weisen in die Zukunft, die Anzahl der Wiederholungen einzelner Passagen und die Dauer der ganzen Teile zeigen ihre Verwandtschaft zu den früheren Werken. Hohe Geschwindigkeit und Lautstärke sind oft ähnlich wie in Teilen von "Einstein" (z.B. Act 1, Scene 1), aber die zum Teil etwas schrille Harmonik "Einsteins" verschwindet zugunsten viel konsonanterer Klänge.

Die Teile 2 und 4 für Orgel solo bilden ein wenig eine Einheit für sich. Besonders in "Dance 4" kommt das Prinzip von Addition und Subtraktion zum tragen. Das Werk besteht aus zwei sich abwechselnden Teilen, von denen wiederum derjenige, mit dem das Stück beginnt, nur aus zwei Harmonien besteht. Verändern tut sich nun im Verlauf des Stücks nicht die Anzahl der Harmonien sondern die Anzahl der Wiederholungen oder, vor allem, die rhythmische Aufteilung, indem die Anzahl der Schläge pro Takt von 2 bis 5 variiert, kombiniert mit Triolen und anderen Variationen. Zwischen diesen wiederkehrenden zwei Harmonien steht immer ein Zwischenteil, bestehend aus bis zu sechs Harmonien, die ebenfalls in unterschiedlichen rhythmischen Aufteilungen erscheinen. Im ganzen Stück wächst die Komplexität kontinuierlich, so daß einfache Rhythmen am Anfang und lange, komplizierte am Ende stehen, aber auch dazwischen wieder Töne subtrahiert werden können.

"Dance 1-5" zeigt die ganze Bandbreite Glass'scher Komposition am Ende der 70er-Jahre.

© Mathias Sträßer


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