Philip
Glass
Besprechungen einzelner Werke von Philip Glass
Akhnaten (Echnaton)
(komponiert 1983)
"Akhnaten" (in Deutschland "Echnaton") ist der letzte Teil der "Portrait-Trilogie" von Philip Glass. Nach Einstein und Mahatma Gandhi ist nun ein Vertreter der Religion, der ägyptische Pharao Echnaton, Protagonist der Oper. Echnaton revolutionierte die herrschende Religion im antiken Ägypten, indem er den Monotheismus einführte, d.h. für ihn war "Aton" der einzige Gott. Letztlich scheiterte er aber am Herrschaftswillen und Machtstreben der traditionellen Priester und wurde gestürzt.
In den drei Opern der Trilogie ist ein langsamer Wandel zu beobachten. In "Einstein on the Beach" hatte die Person Albert Einstein nur sehr metaphorische Bedeutung; in "Satyagraha" erschien zwar die reale, historische Person Gandhi, die Szenen waren aber nicht-chronologisch und zum Teil deutlich metaphorisch verändert. In "Akhnaten" nun bleibt zwar immer noch ein gewisser metaphorische Inhalt, die Szenen sind aber chronologisch aus dem Leben des Hauptprotagonisten genommen. Ähnlich ist allen drei Opern die Behandlung der Sprache. Auch in "Akhnaten" bleibt sie größtenteils unverständlich (aramäisch, sumerisch etc.), es erscheint aber auch erstmals verständlicher (gesprochener) Text. Nur die zentrale Arie des Echnaton, seine Anbetung Atons, wird immer in der jeweiligen Sprache des Publikums gesungen.
Die Besetzung des Orchesters ist etwas seltsam, da es sich zwar weitgehend um ein klassisches Symphonieorchester handelt, dem aber alle Violinen fehlen. Dafür wird es durch Synthesizer ergänzt. Mit ein Grund für diese Orchestrierung war der Umstand, daß die Uraufführung in der Staatsoper Stuttgart stattfand. Deren großes Haus wurde aber in dieser Zeit renoviert, so daß die Produktion in das kleine Haus ausweichen mußte, und dort war einfach kein Platz für ein großes Orchester.
Das Fehlen der Violinen kommt aber Glass' Intention in diesem Werk sehr entgegen, denn es verleiht der Musik einen recht tiefen, dunklen Klang und verstärkt den Kontrast zur häufig benutzten Bläsergruppe (Blech- und Holzbläser). Zudem ist den Rhythmusinstrumenten ein breiter Raum gelassen, vor allem in Szene 2 des ersten Aktes (dem Begräbnis von Echnatons Vater), in der so stark rhythmisierte Musik erklingt, wie sie weder in "Einstein on the Beach" noch in "Satyagraha" zu hören war.
In weiten Teilen der Oper dominiert aber ein sehr ruhiger und fast gelassener Klang, wozu sicher auch der Umstand beiträgt, daß fast das gesamte Werk in a-moll steht. Die tatsächliche Festigkeit Echnatons wird repräsentiert durch die ihm zugeordnete Trompete. Die einzig wirklich hektisch-emotionale Szene ist natürlich Echnatons Scheitern, sein gewaltsamer Sturz.
Mehr noch als in "Satyagraha" werden den einzelnen Personen und Szenen von Glass bestimmte Instrumente oder Instrumentengruppen zugeordnet. Besonders in den Szenen mit Echnaton und Nofretete oder mit der gesamten Familie wird dies deutlich.
"Akhnaten" ist, wie auch andere Werke, die ich hier bespreche, gut als Einstieg in das Werk von Philip Glass geeignet, vor allem für Menschen, die eher mit einem größtenteils sanften Klang ihre Erkundung der Glass'schen Kompositionen beginnen möchten.
© Mathias Sträßer