Philip
Glass
Besprechungen einzelner Werke von Philip Glass
Joseph Conrad's The Secret Agent
(komponiert 1995)
Die Filmmusik zu "Joseph Conrad's The Secret Agent" gehört zu den schönsten Werken, die Philip Glass geschrieben hat, allerdings auch zu den am wenigsten bekannten. In Deutschland ist der Film, der auch in den USA nicht erfolgreich war, nicht in die Kinos gekommen; die Musik ist aber bei dem deutschen Vertrieb von Nonesuch Records, Eastwest Records (Hamburg) inzwischen auch hier erschienen.
Ich empfehle die CD durchaus für Ersthörer als Einstieg in die Glass'sche Klangwelt.
Als Klangkörper hören wir hier nicht das Philip Glass Ensemble sondern das English Chamber Orchestra mit fast durchweg sehr weichen, warmen Klängen. Auch wenn die Musik manchmal, dem Film angepaßt, etwas düster wird, überwiegt doch eine weiche Harmonik. Diese nimmt den Hörer mit in Klangwelten von manchmal trauriger Melancholie, die aber immer auch etwas Helles, Hoffnungsvolles haben.
Philip Glass erreicht diese Wirkung vor allem durch den Einsatz der Streicher, besonders aber durch ein immer wiederkehrendes Motiv von Solo-Cello und Englisch-Horn. Letzteres trägt mit einer halb klagenden, halb fröhlichen Melodie und seinem ohnehin etwas melancholischen Klang die Grundstimmung der Musik, die an einen nebligen Morgen oder einen regenverhangenen Abend erinnern kann. Scharfe Harmonik wie etwa in "Einstein on the Beach" sucht man vergebens; eher erinnert die Musik an "Akhnaten", Philip Glass' Oper über den ägyptischen Pharao.
In manchmal sich heftig steigernden, gewaltigen Arpeggios der Streicher entsteht plötzlich ein wuchtiger, machtvoller Klangrausch, der aber wieder feineren kammermusikalischeren Passagen weicht.
"Joseph Conrad's The Secret Agent" ist sicher eines der romantischsten Werke von Philip Glass.
© Mathias Sträßer